Critical review
For solo exhibition " Es weilt im Inneren" at Partout Kunstkabinett
14.05.2021 bis 14.08.2021
Innovative, thoughtful, and award-winning—these are the works of the young Japanese artist Masaki Hagino. What possibilities exist for individual perceptions of the world, and how can they be represented? In his first solo gallery exhibition, Masaki Hagino presents answers through cyanotypes, installations, and unique, freshly created studio paintings.
A catalogue accompanying the exhibition will be published in German, English, and Japanese.
Gallerist - Ursula Clemens-Schierbaum
Art historian - Maria Eicker M.A.
For solo exhibition " Es weilt im Inneren" at Partout Kunstkabinett
14.05.2021 bis 14.08.2021
Art historian
Maria Eicker M.A.
Ausgehend von dem Wissen, dass ältere, verinnerlichte Erfahrungen die Wahrnehmung der Welt von jedem Einzelnen subjektiv machen, stellt Masaki Hagino die Frage danach, was Realität, was Wirklichkeit ist. Ist es etwas objektiv Konkretes, eine individuelle Vorstellung, das Gelesene, oder ist es das, was ein Subjekt sieht, denkt, erinnert oder fühlt? Wenn viel Unterschiedliches Teil einer Wirklichkeit ist, wie kann der Künstler diese auf einer Fläche wiedergeben? Und was geschieht im Betrachter, der mit dieser realen Welt des Künstlers konfrontiert ist? Das Bild selber ist passiv, aber durch subjektive Wahrnehmung verändert es die Wirkung auf den Einzelnen. Für Masaki Hagino ist genau dies die Aufgabe von Kunst: Die unsichtbare Grenze zu visualisieren, die zwischen dem individuellen Künstler und der individuellen Betrachtung steht. Dabei dienen Bilder „als ein mögliches „Werkzeug“, um die subjektive Wirklichkeit des Betrachters mit der subjektiven Wirklichkeit des Künstlers zu vereinen“. Folgerichtig reicht es nicht, wenn konzeptioneller Inhalt und malerische Technik das Werk gestalten: Erst die Betrachtung, die Wahrnehmung macht das Werk vollständig. Daraus folgt aber auch, dass Masaki Hagino mit seinem Schaffen jedem das Angebot macht, sein Werk subjektiv wahrzunehmen und zu deuten.
Die beschriebenen frühen Beispiele künstlerischen Schaffens mit dem Medium der Fotografie deuten schon an, welche Fragen und Anforderungen der Künstler an Kunst im Allgemeinen, an seine eigenen künstlerischen Werke und an Kunstrezipienten stellt. Antworten und Ansichten haben viele Facetten und sind weder unwandelbar noch endgültig, wie das Oeuvre Masaki Haginos zeigt. Seine Kenntnis verschiedener Kulturkreise sowie seine Fähigkeit, sich in mehreren Sprachen auszudrücken, sind sicherlich eine hilfreiche Grundlage für seine Sicht auf die Welt: Er versteht sich als Künstler in der Gesellschaft für die Gesellschaft arbeitend. Seine Aufgabe ist es, Wirklichkeit zu erkennen und ggf. zu hinterfragen sowie Entdecktes in eine andere – künstlerische – Sprache zu übertragen. Die Erfahrung, dass eine adäquate Übersetzung von Worten manchmal nicht möglich ist, außerdem Sprache die Auffassung des Geschehens beeinflusst, hat ihn sicherlich in seinem Ansinnen unterstützt, nach eigenen Perspektiven für seine Kunst zu suchen. Er entwickelte neue Möglichkeiten, Tiefenraum auf Fläche darzustellen. Dafür nutzt er sowohl figürliche als auch abstrakte Darstellungen sowie unterschiedliche Materialien, mit denen Formen und Farbe auf der Fläche „geschichtet“ wirken und gibt den meisten seiner Werke Titel, die viel Raum für eigene Interpretation lassen.
Die Überschrift einer Forschung, die er zitiert: „Two Languages, Two Minds“ beschreibt auch die Arbeit des Künstlers: Selbst wenn Künstler und Betrachter äußerlich in derselben Welt sind, leben sie doch individuell und nehmen die Welt unterschiedlich wahr. Die Kunst kann zwischen diesen unterschiedlichen Realitäten vermitteln, sie zusammenfügen.
Aus Katalog "Es weilt im Inneren"
- Maria Eicker M.A.


